Startschuss für Millionen-Projekt

29. November 2020
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Startschuss für Millionen-Projekt:
Neue Anlage zur Phosphor-Gewinnung

Bericht der Badischen Zeitung von Mario Schönberg. So, 29. November 2020

Der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht will mit einer neuen Anlage Klärschlamm verbrennen und dabei Phosphor gewinnen. Der Abwasserpreis wird voraussichtlich steigen.

Am Standort Forchheim soll beim Abwasserzweckverband (AZV) Breisgauer Bucht bis 2029 eine Verbrennungsanlage entstehen, in der Klärschlamm aus dem ganzen südbadischen Raum zur Phosphor-Gewinnung verwertet werden soll. Dafür fasste die Verbandsversammlung im Umkircher Bürgersaal nun den Grundsatzbeschluss. Weitere Themen waren aktuelle und teils problematische Bauprojekte, der Jahresabschluss 2019 und der Wirtschaftsplan fürs kommende Jahr.

Aktuell werden die bei der Abwasserreinigung in Kläranlagen entstehenden Schlämme zumeist verbrannt, oft in Kohlekraftwerken oder Zementfabriken. Im Jahr 2017 habe nun aber der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen verändert, mit dem Ziel, den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen, erklärte AZV-Geschäftsführer Bernd Hünting. Phosphor sei neben Stickstoff das wichtigste Nährstoffelement für Pflanzen, Tiere sowie Menschen und werde zu mehr als 80 Prozent in der Düngemittelproduktion eingesetzt. Der heute in Deutschland verwendete Phosphor werde zu großen Teilen aus politisch instabilen Ländern wie Marokko, Algerien oder Jordanien importiert, aber auch dort seien die Kapazitäten endlich. Nach Deutschland würden jährlich rund 150 000 Tonnen Phosphor importiert. Etwa ein Drittel davon könnte aus kommunalem Klärschlamm zurückgewonnen werden. Technisch erscheine dafür eine Rückgewinnung aus Asche am sinnvollsten, schreibt der AZV in einer Pressemitteilung. Der Standort Forchheim sei aufgrund seiner abgeschiedenen Lage und der guten Verkehrsanbindung für eine neue Verbrennungsanlage geeignet.

Der neue Zweckverband
Je größer eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage sei, umso wirtschaftlicher sei sie zu betreiben, sagte Bernd Hünting. Für den Bau sei mit Investitionen von 40 bis 50 Millionen Euro zu rechnen. Um den Betrieb der Anlage zu sichern, sei wiederum die Gründung eines Zweckverbandes sinnvoll. Damit dieser auch wirtschaftlich sei, sehe der vorliegende Satzungsentwurf eine Andienungspflicht für die künftigen Mitglieder vor. Der neue, Klärschlammverwertung Zweckverband Südbaden (KZV) genannte Verband solle ohne Gewinnerzielungsabsicht im Jahr 2022 gegründet werden, erklärte Hünting. Im Anschluss seien Planung und Bau der Anlage vorgesehen. Sie solle 2029 in Betrieb gehen.

Zahlreiche Abwasserverbände entlang des Oberrheins von Rastatt bis zur Schweizer Grenze hätten schon Interesse an einer Mitgliedschaft signalisiert oder gar beschlossen. Unter anderem die Abwasserverbände Ortenau, Murg, Lahr und Untere Elz. So kämen mindestens 80 000 Tonnen Klärschlamm jährlich zusammen.

Auf Nachfrage erläuterte der Ingenieur, dass nach heutigem Stand durch die Phosphor-Gewinnung Mehrkosten von drei bis fünf Cent je Kubikmeter Abwasser auf die betroffenen Einwohner entfallen würden. Doch schon heute sei der Markt im Umbruch, und es sei denkbar, dass auch die bisherige praktizierte Entsorgung des Schlamms durch Verbrennen immer teuer werde, so dass es am Ende möglicherweise gar keine Nachteile mehr für die Abwassergebührenzahler gebe.

Baumängel und Bauprojekte
Seit 40 Jahren gibt es das Verbandsklärwerk in Forchheim. Dieses wurde immer wieder erweitert und modernisiert. Zuletzt sei hier an der Erweiterung der biologischen Stufen und des Nachklärbeckens gearbeitet worden, informierte der AZV- Vorsitzende, Freiburgs Ex-Finanzbürgermeister Otto Neideck, in seinem Rückblick. Doch dabei musste nun ein „Totalversagen der Nachklärbecken-Ausrüstung“ festgestellt werden. Aktuell gehe es daher um die Sanierung der Mängel und die rechtlichen Schritte, um Schadensersatz zu erlangen. Neideck rechnete mit rund 3,3 Millionen Euro Mehrkosten durch die Sanierungsarbeiten, dennoch lägen die Kosten für Gesamtarbeiten weiterhin deutlich unter den angesetzten 40 Millionen Euro.

Ein weiteres großes Projekt sei aktuell der Neubau eines Betriebs- und Verwaltungsgebäudes mit Labor, Lager und Werkstätten, bei dem die angesetzten Kosten von rund 26 Millionen Euro wohl eingehalten werden könnten.